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Aktuell September 2003
Schmerz

Detail einer Steinskulptur von Christiane Püttmann an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel

. . . unendlich ist der Schmerz.

Die Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder auf dem Evangelischen Friedhof an der
Ehrenhainstraße in Vohwinkel wurde am Weltkindertag, dem 20. September 2003, eingeweiht.

Gedenkstein an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel

Gedenkstein an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel.

Steinskulptur von Christiane Püttmann an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel

Die Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel wurde neben der Friedhofskapelle angelegt.

Blumen vor dem Gedenkstein an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel

Symbol für die Vergänglichkeit.

Am Einweihungstag lag ein sommerlicher Blumenstrauß mit leuchtenden Farben am Gedenkstein.

Detail einer Steinskulptur von Christiane Püttmann an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel

Manche Trauer ist sichtbar, andere verborgen.




. . . unendlich ist der Schmerz


Ja, es sind viele unter uns, die um ein Kind trauern. Manchmal ist der Schmerz hautnah, dringt in die Träume ein und macht den Tag grau und schwer - manchmal geht es einfach, dann tut es nicht mehr weh, dann sind andere Gedanken und Arbeiten und Gefühle wach und lebendig.


Detail einer Steinskulptur von Christiane Püttmann an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel
Steinskulptur von Christiane Püttmann an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel



Es tut auch weh, hierherzukommen; sich seinen Erinnerungen zu stellen. Wieder diesen Schmerz auszuhalten. Und nicht zu wissen, wann er wieder geht. Jans Eltern sind heute nicht gekommen. Gestern war Jans Geburtstag und die Erinnerung war wieder so lebendig.


Steinskulptur von Christiane Püttmann an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel
Steinskulpturen von Christiane Püttmann an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel



Mit 16 Jahren hat Jan sein Leben beendet. Zuerst schmerzte der Liebeskummer, dann kamen Schulprobleme, sein bester Freund zog weg; er hat es nicht mehr ausgehalten. Jetzt müssen seine Eltern und seine jüngere Schwester ohne ihn weiterleben. Warum konnten wir ihm nicht helfen, fragen sie sich und leiden jeden Tag.


Steinskulptur von Christiane Püttmann an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel
Detail einer Steinskulptur von Christiane Püttmann an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel



Unendlich ist der Schmerz, den Jans Eltern erleben. Nie wieder ist ihr Leben so wie es vorher war. Es gibt auch keinen Trost, denn sie finden keine Antwort auf die Frage nach dem Warum.


Detail einer Steinskulptur von Christiane Püttmann an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel
Detail einer Steinskulptur von Christiane Püttmann an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel



Zu ihrer Trauer gesellt sich die Erfahrung von Sprachlosigkeit. Freunde und Verwandte fragen nicht nach Jan, sie wollen nicht an der Wunde rühren, sie sind hilflos angesichts der großen Trauer. Sie wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen. Sie würden schon gerne helfen, aber es gibt nur die Möglichkeit, den Schmerz der Eltern zu begleiten, da zu sein und zuzuhören - wer traut sich das zu?

Jans Familie drohte an der Trauer zu zerbrechen. Sie versuchten, den Verlust zu verstecken, zu verdrängen. Es dauerte über ein Jahr bis sie sich entschlossen, in eine Selbsthilfegruppe für verwaiste Eltern zu gehen. Hier fanden sie Gesprächspartner und erfuhren, wieviele Betroffene es gibt.


Detail einer Steinskulptur von Christiane Püttmann an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel
Detail einer Steinskulptur von Christiane Püttmann an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel




Es ist schwer, in unserer Zeit mit Trauer im Herzen zu leben; andere Werte zählen. Der Tod wird lieber ausgegrenzt. Trauerkleidung, Trauerzeit - das alles haben wir hinter uns gelassen, der Tod soll nicht sichtbar sein.

Als einziger öffentlicher Ort der Trauer sind unsere Friedhöfe geblieben. Sie erinnern uns an die Endlichkeit jeden Lebens. Hier ist es sichtbar, dass der Tod zu jedem Leben gehört.


Drei Steinskulpturen von Christiane Püttmann an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel
Wasserkelch von Uwe Hoffmann an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel



Jans Eltern haben in schweren Jahren gelernt, die Trauer um ihren Sohn als Teil ihres Lebens anzunehmen. Kein Tag vergeht, an dem sie nicht an Jan denken. Sie leben ohne ihn.

In diesen Jahren hat ihnen immer wieder Psalm 139 geholfen:

Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.
Führe ich gen Himmel, so bist du da.
Bettete ich mich bei den Toten, siehe, auch da bist du.
Nähme ich Flügel der Morgenröte
und bliebe am äußersten Meer,
so würde auch dort deine Hand mich führen
und deine Rechte mich halten.


Wasserkelch von Uwe Hoffmann an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel
Wasserkelch von Uwe Hoffmann an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel



Es ist der Glaube, dass Gott auch bei den Toten ist. Jan ist nicht allein, irgendwo - er ist von Gott nicht vergessen, Gott trägt ihn, hält ihn. Ich mag ihn vergessen, seine Freunde mögen ihn vergessen - Gott nicht. Von allen Seiten umgibt er ihn.


Drei Steinskulpturen von Christiane Püttmann an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel
Steinskulptur von Christiane Püttmann an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel



Diesen Gedanken, diesen Glauben wollen wir mit der Trauerstätte ausdrücken: der Kelch und die Blüten aus Metall, die Sträucher und Blumen und Bäume drumherum - sie zeigen, dass wir eingebunden sind in Werden und Vergehen.

Die Skulpturen erinnern an unsere verstorbenen Kinder, gleich welchen Alters. Sie sind in uns da. Sie bleiben uns so nah.


Wasserkelch von Uwe Hoffmann und Steinskulpturen von Christiane Püttmann an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel
Pfarrerin Sylvia Wiederspahn und Friedhofskirchmeisterin Eva von Braunschweig an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel am 20. September 2003



Ich glaube, dass alles Leben seine Vollendung bei Gott findet, dass Gott niemanden entlässt aus seiner Liebe - nicht im Leben, nicht im Tod.

Amen


Pfarrerin Sylvia Wiederspahn und Friedhofskirchmeisterin Eva von Braunschweig an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel am 20. September 2003


Die farblich unterlegten Texte stammen aus der
Ansprache von Pfarrerin Sylvia Wiederspahn
am 20. September 2003
an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder.


Friedhofsbesucherinnen an der Trauerstätte zur Erinnerung verstorbener Kinder in Vohwinkel am 20. September 2003




Die Fotos zeigen die Trauerstätte am 20. September 2003 bei wechselndem Licht.
Auf Bilder von der Einweihungsfeier mit Gottesdienst in der Friedhofskapelle wurde verzichtet.

Die Trauerstätte im Internet

Zur Seite www.trauerstaette.de

Das Forum für die Trauerstätte im Internet: www.trauerstaette.de.

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